Kaufprämien sollen Autobranche nach Coronakrise unterstützen

Kaufprämien sollen Autobranche nach Coronakrise unterstützen

Deutsche Autohersteller und Politiker wollen nach der Coronapandemie staatliche Zuschüsse zum Autokauf vergeben. Umweltschutzverbände kritisieren, dass auch Autos mit Verbrennungsmotoren gefördert werden sollen.

Konjunkturhilfen in Form staatlicher Zuschüsse zum Autokauf sollen laut einigen Politikern und Konzernen aus der Automobilbranche nach der Coronakrise den Absatz der deutschen Schlüsselindustrie wieder ankurbeln. Laut Stefan Sommer, Manager bei Volkswagen (VW) muss diese deutlich höher ausfallen als die nach der Finanzkrise vergebene Abwrackprämie von 2.500 Euro. Bernd Althusmann, Wirtschaftsminister Niedersachsens erklärte gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), dass die aktuell beim Kauf von Elektroautos vergebenen 6.000 Euro weiter aufgestockt werden könnten. Außerdem könnte diese Kaufprämie laut Althusmann befristet auch für Benziner und Diesel gelten, wenn diese modernste Abgasnormen erfüllen.

Lockerung der Umweltziele

Günther Oettinger (CDU), ehemaliger EU-Kommissar spricht sich laut eines Berichts der Automobilwoche hingegen für eine Lockerung der Umweltziele aus. Er erklärte, dass „die Politik nicht auf Vorgaben beharren darf, die unter anderen Geschäftsgrundlagen beschlossen wurden.“ Sollte die Forderung von Oettinger umgesetzt werden, würde dies zwar nicht unmittelbar den Absatz erhöhen, aber dafür sorgen, dass die Automobilindustrie drohende CO2-Strafzahlungen nicht entrichten muss.

Forderungen aus der Industrie, die den Vorschlag von Oettinger beipflichten, gibt es bisher nicht. Wie die Automobilwoche berichtet liegt dies vermutlich daran, dass die betroffenen Unternehmen unabhängig vom Coronavirus die kommende Phase der CO2-Regulierungsverschärfung bereits in ihre Kalkulationen einbezogen haben. Analysten sprechen allerdings davon, dass einige Autohersteller eine Stundung der bereits fälligen Strafzahlungen für 2020 aufgrund der schweren wirtschaftlichen Lage begrüßen würden.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) fordert hingegen, dass „Klimaschutz und wirtschaftliche Prosperität“ auch nach der Coronakrise verfolgt werden müssten und dass die Wirtschaft nicht auf Kosten der Klimaschutzziele unterstützt werden darf.

Überraschend kommt ein Mittelweg aus der Industrie. BMW Chef Oliver Zipse sagt, dass der Automobilbauer „in einer Innovationsprämie eine doppelte Chance sieht“, die durch einen Umstieg auf klimaschonende Fahrzeuge sowohl die Wirtschaft ankurbeln kann als auch das Klima schützt.

Jobverlust auch ohne Coronakrise

Laut einer Studie des an der Universität Duisburg-Essen ansässigen Center Automotive Research (CAR) sind Jobverluste im deutschen Automobilbau unabhängig von der Coronakrise wahrscheinlich. Bereits im September 2019 prognostizierten die Wissenschaftler, dass der Umstieg auf Elektroautos in der Bundesrepublik 234.000 Arbeitsplätze zerstören wurde, aber nur 109.000 neue Stellen schafft. Die neue Technologie würde so einen Verlust von bis zu 125.000 Stellen verursachen.

Wie die Welt am Sonntag berichtet, würde dies vor allem die Produktion treffen, die aufgrund der geringen Fahrzeugkomplexität weniger Personal benötigt. Stellen in der Verwaltung und Entwicklung sind hingegen laut der Studie durch den Technologiewandel kaum gefährdet.