Glücksspielbranche verbietet aggressive „Corona-Werbung“

Glücksspielbranche verbietet aggressive „Corona-Werbung“

Die Corona-Pandemie sorgt auch in der Glücksspielbranche für Umsatzeinbußen. Betroffen sind vor allem seriöse Anbieter, die sich verpflichtet haben, nicht mit aggressiver Werbung neue Kunden zu gewinnen. Illegale Anbieter profitieren hingegen vom „Social Distancing“ und haben ihre Werbeausgaben deshalb massiv angehoben.

Laut der Studie „Werbemarktanalyse Glücksspiel 2019“ der Marktforschungsgesellschaft research tools haben Glücksspielanbieter in Deutschland im Jahr 2019 mehr als 400 Millionen Euro in Werbung investiert. Dies ist ein Anstieg um 14 Prozent im Vergleich zum Jahr 2018 und eine Verdreifachung der Ausgaben innerhalb der letzten fünf Jahre. Die Hälfte des Werbebudgets entfällt dabei auf die fünf größten Firmen, die neben Lotto Sportwetten und Poker vor allem mit Casinospielen ihre Umsätze erzielen.

Glücksspielbranche reagiert auf Corona-Pandemie

Mario Hoffmeister, Sprecher der Firma Gauselmann, die die wie im Platincasino angebotenen Merkur-Spiele entwickelt und vertreibt, erklärt, dass „alle 700 Spielbetriebe europaweit sind geschlossen sind und die Firma damit  generiert.“ Laut Hoffmeister handelt es sich dabei „um eine sehr große Herausforderung“ für ein Unternehmen mit fast 14.000 Mitarbeitern.“ Als Reaktion hat die Firma Gauselmann wie auch die Löwen-Glücksspielgruppe, die die Admiral-Spielhallen und Annahmestellen für Sportwetten betreibt, bereits Kurzarbeit beantragt.

Keine aggressive Werbung

Außerdem haben sich zahlreiche seriöse Anbieter von Online-Casinos, die sich eine Lizenzierung aufgrund des im kommenden Jahrs neuen Glücksspielstaatsvertrag in Deutschland erhoffen, dazu verpflichtet während der Corona-Pandemie keine aggressive Werbung zu schalten.

Ähnliche Meldungen kommen auch aus vielen anderen Ländern. In Litauen folgen die Glücksspielanbieter damit einem Hinweis der Glücksspielbehörde Gaming Control Authority (GCA), die erklärt, dass „Werbung einer der stimulierenden Faktoren für Menschen mit Glücksspielproblemen ist. Werbung kann diese Menschen zum Spielen ermutigen, insbesondere während der Quarantäne.“ Alle relevanten Anbieter haben sich daher verpflichtet, ab dem 15.04.2020 bis mindestens zum 27.04.2020 auf Werbung zu verzichten und so ihrer sozialen Verantwortung nachzukommen.

Die niederländische Glücksspielbehörde Kansspelautoriteit hat hingegen Werbung, die Glücksspiele zum Beispiel als „Virenfrei“ bezeichnet verboten, um so zu verhindern, dass unseriöse Unternehmen Profite aus der Krise schlagen. Außerdem wurden alle Standorte der Holland-Casinos bis auf Weiteres geschlossen und die Behörde hat die Strafen für illegales Onlineglücksspiel von 50.000 Euro auf bis zu 200.000 Euro erhöht.

Glücksspielbehörden aus Großbritannien und Malta mit Werbeverbot

Auch die Glücksspielbehörden aus Großbritannien und Malta, bei denen die meisten europäischen Anbieter lizenziert sind, teilten ihren Lizenznehmer mit, dass gezielte Werbung mit der Corona-Pandemie unerwünscht sei. Neil McArthur, der Vorsitzende der britischen Gambling Commission schreibt dazu, dass „die Behörde von den Unternehmen erwartet, dass Sie sich dessen bewusst sind, dass Kunden anfällig sind und ihre finanziellen Unsicherheiten haben, während andere möglicherweise andere Auswirkungen der Isolation zeigen, wie zum Beispiel Angstgefühle, Langeweile oder Einsamkeit.“ Er fordert die Unternehmen deshalb auf, bei Anzeichen von gefährlichen oder pathologischen Spielverhalten selbstständig einzugreifen und so Schaden von den Kunden abzuwenden.

Die maltesische Lotterie- und Glücksspielbehörde fordert ebenfalls die Lizenznehmer zu einer „sozial verantwortlichem Kommunikation in Bezug auf COVID-19“ auf. Dies bedeutet konkret, dass alle direkt oder indirekt mit der Corona-Pandemie in Verbindung stehenden Marketingmaßnahmen verboten sind. Als Beispiele nennt die Behörde Slogans wie „Weniger Geld wegen Corona? Jetzt Glück im Online Casino versuchen“ oder „Langeweile durch Isolation? Jetzt Online spielen“, die nicht genutzt werden dürfen. Im schlimmsten Fall droht bei Verstößen der Entzug der Lizenz.

Illegale Angebote profitieren durch Corona

Leider profitieren laut Daten des Bundesverbandes deutscher Glücksspielunternehmen (BDGU) vor allem illegale Anbieter, die ohne Lizenz ihre Glücksspiels in Deutschland anbieten, von der Corona-Pandemie. Wie Michael Barth, Vorstand des BDGU gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (DPA) erklärte, „seien viele Menschen wegen der Corona-Pandemie zu Hause und im Netz unterwegs.“ Dies wird von unseriösen Anbietern, die auch während der Corona-Pandemie aggressive Werbung schalten, ausgenutzt, um neue Kunden zu generieren und Marktanteile anderer Anbieter für sich zu gewinnen.