Zahl der Arbeitslosen mit Behinderung auf Rekordtiefstand

Zahl der Arbeitslosen mit Behinderung auf Rekordtiefstand

Die Zahl der Arbeitslosen mit Behinderung hat 2019 einen Rekordtiefstand erreicht. Besonders schwerbehinderte Langzeitarbeitslose können aber noch immer sehr schwer vermittelt werden.

In Deutschland werden laut zahlreichen Studien und Statistiken Menschen mit Behinderung bei der Arbeitsplatzsuche benachteiligt, obwohl viele Unternehmen laut § 154 SGB IX verpflichtet sind ab einer Anzahl von 40 Mitarbeitern eine Mindestquote zu erfüllen. Als Gründe, die gegen die Einstellung von Behinderten sprechen, nennen Unternehmen häufig die erwartete geringere Leistungsfähigkeit.

Außerdem scheuen viele Unternehmen die hohen Kosten, die zum Beispiel in automatische Türen, Rollstuhlrampen und andere Ausstattung investiert werden müssen, um eine Arbeitsstätte behindertengerecht einzurichten. Dies wird nochmals dadurch verstärkt, dass viele Entscheider mit Personalverantwortung angeben, dass sie nicht für spezielle Förderprogramme informiert sind, die die Bundesagentur für Arbeit Unternehmen zur Integration behinderter Menschen in ihren Betrieb anbieten. Anbietet.

Inklusionsbarometer 2019 mit positiven Nachrichten

Trotz der ablehnenden Grundhaltung vieler Unternehmen zeigt das Inklusionsbarometer 2019 (PDF), das vom Handelsblatt Research Institute im Auftrag der Aktion Mensch erstellt wurde, eine positive Entwicklung, die dazu geführt hat, dass die Anzahl arbeitsloser behinderter Menschen im vergangenen Jahr einen Rekordtiefstand erreicht hat. Im Vergleich zum Jahr 2018 ist deren Anzahl von 162.373 um 5.752 Personen auf 156.621 arbeitslose Behinderte gesunken.

Ebenfalls positiv verlief die Entwicklung der Arbeitslosenquote der Schwerbehinderten, die von 11,7 Prozent auf 11,2 Prozent gesunken ist. Einer der Hauptgründe dafür ist laut den Studienautoren der zunehmende Fachkräftemangel, der Unternehmen dazu zwingt das Beschäftigungspotential behinderter Menschen zu nutzen.

Behinderte Menschen weiterhin mit Nachteilen auf dem Arbeitsmarkt

Obgleich der positiven Entwicklung zeigt das Inklusionsbarometer 2019 auch, dass behinderte Menschen in Deutschland auf dem Arbeitsmarkt weiterhin stark benachteiligt sind. Dies äußert sich vor allem in der Arbeitslosenquote, die mit 11,2 Prozent mehr als doppelt so hoch lag wie die allgemeine Arbeitslosenquote.

Ebenfalls deutlich wird die schwierige Vermittlungssituation in eine Erwerbstätigkeit bei Langzeitarbeitslosen mit Behinderung, die im Durchschnitt 359 Tage benötigen, um eine neue Arbeitsstelle zu finden, während die nicht behinderte Vergleichsgruppe rund 100 Tage schneller eine neue Anstellung findet. Insgesamt ist aber auch in diesem Punkt im Vergleich zum Vorjahr, in dem noch 366 Tage nötig waren, eine leicht positive Entwicklung zu sehen.

Schwerbehinderte mit besonders großen Problemen

Wie die Studienautoren herausgefunden haben, gelangen vor allem Schwerbehinderte schnell in eine „Spirale der unfreiwilligen Arbeitslosigkeit“, die dafür sorgt, dass neben der Behinderung auch das Lebensalter und die hohe Dauer der Arbeitslosigkeit dazu führen, dass eine Vermittlung nochmals unwahrscheinlicher wird. 43,4 Prozent aller arbeitslose Behinderter sind gehören deshalb bereits zur Gruppe der Langzeitarbeitslosen, deren allgemeine Quote bei nur 34,8 Prozent liegt.

Die problematische Vermittlung schwerbehinderter Menschen zeigt sich auch in der Beschäftigungsquote, die laut gesetzlichen Vorgaben eigentlich bei 5 Prozent liegen sollte, aber nur 4,63 Prozent erreicht hat. Verantwortlich dafür sind private Unternehmen, deren Mitarbeiter nur einen Anteil von 4,1 Prozent Menschen mit Schwerbehinderung ausmachen. Öffentliche Arbeitgeber kommen hingegen auf 6,5 Prozent und übererfüllen damit die Quote sogar deutlich.