Ferien

Ferien

Ferien sind die schönste Zeit für viele modernen Menschen. Ferien erlauben Abwechslung, das Kennenlernen der Welt, neue Bekanntschaften und unterschiedlichste Abenteuer. Hier berichten wir von Geschichte und Gegenwart dieses Menschheitsabenteuers.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte der Schulferien

Ferien und Urlaub sind zunächst zwei verschiedene Dinge. Ferien wird die zeitweise Schließung einer Institution genannt, Urlaub ist die Reise oder die Auszeit der Menschen. Ferien kennt unsere Zivilisation eigentlich erst seit etwa dem 19. Jahrhundert. Die alten Römer kannten besondere Festtage, die feriae, woher das Wort stammt. Mit der Zeit haben sich die Wortbedeutungen angeglichen. So machen Menschen heute Ferien und nutzen zu Beispiel Ferienhäuser oder Ferieneinrichtungen.

Ferien für die Wohlhabenden im 19. Jahrhundert

Die Geschichte der Reise ist länger als die der institutionellen Ferien. Reiche Bürger, die vom Kapitalertrag oder Erbe lebten und nicht zu arbeiten brauchten, verbrachte oft Monate außerhalb der Heimat in fremden Gefilden. Nicht nur Kaiserin Sissi, sondern viele Bildungsreisende und Intellektuelle machten Ferien mit Passagierschiffen in Griechenland. Ab 1890 verband der Orientexpress Paris mit Konstantinopel. Eine wichtige Rolle spielten beim Wachstum der privaten Ferien-Trends Bädertourismus, Thermalquellen und das Element Wasser. Es waren die Reichen, die Adligen und berühmte Künstler, die zuerst in Böhmen in Städten wie Karlsbad oder an den Seen um München mehrere Wochen der Sommerfrische verbrachten. Mit der Besteigung der großen Alpengipfel betätigten sich die Briten unter der unternehmerischen Führung Thomas Cooks als Speerspitze der alpinen Ferienbewegung. Neben den Sommermonaten lockten die Alpen zunehmend auch im Winter vor allem britische Winterurlauber an.

Ferien für die Arbeiter in den Zeiten der Industrialisierung

Die Schließung von Schulen und Hochschulen, Fabriken und anderen Einrichtungen zum Zweck der Auszeit und gar von Reisen für die Menschen ist erst in der Neuzeit entstanden. Für die Masse gab es zunächst nur einzelne Feiertage, an denen die Menschen der Kirche oder den Fürsten huldigen sollten. Allenfalls zur Erntezeit wurden Ferien gnädig gewährt, damit die Schüler bei der Ernte helfen konnten. Erst mit dem Erstarken der Arbeiterbewegung und der Sozialgesetzgebung zu Beginn der 20. Jahrhunderts entstanden langsam einige wenige freie Tage für die hart schuftenden Normalverdiener. In der Weimarer Republik gab es etwa eine Woche Freizeit für die Arbeitnehmer als tarifliche Errungenschaft der Gewerkschaften.

Ferien für die Massen im Wirtschaftswunder

Die Briten waren die Ersten, die mit Fertigstellung der großen Bergbahnen vor allem in der Schweiz den Winterurlaub zur Massenbewegung machten und den Kontinent für sich eroberten. Bis die Pauschalreise Thomas Cooks nach ihrer Erfindung allerdings den Massenmarkt erreichte, dauerte es noch 100 Jahre. Erst in den Fünfzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts entstanden Ferien flächendeckend in Schulen, Hochschulen und Fabriken. Der moderne Staat hatte erkannt, dass die Erholung für Erwachsene wie für Kinder und Jugendliche wichtig für deren Leistungsfähigkeit ist. Große Unternehmen entdeckten den Massentourismus als kommerzielles Betätigungsfeld. Es wurde erkannt, dass sich Ferienziele und -erlebnisse wie andere Produkte in Massen herstellen und verkaufen lassen. Schon Cook hatte die Pauschalreise als Bündel aller in den Ferien benötigten Leistungen von der Unterkunft über die Reise bis hin zu den Mahlzeiten erfunden. Selbst große Fabriken richteten Werksferien ein. Die Ferien und der neue Wohlstand lösten eine echte Massenbewegung aus. Es wurde Teil der Kultur, in den Ferien vor allem in den Süden zu reisen.

Ferien für alle und überall mit der Pauschalreise

Mit dem Durchbruch kommerzieller Angebote wurden die Ferien erschwinglich. In allen europäischen Ländern und in allen Bundesländern wurden Schulen und Hochschulen und im Sommer auch Fabriken zeitweise für die Ferien geschlossen. Großbetriebe bevorzugten damals die Werksferien aus Gründen der Effektivität. Immer mehr Hotels entstanden, auch die Naturfreunde, die Alpenvereine sowie die Jugendherbergen schufen vornehmlich preisgünstige Infrastrukturen für die Ferien. Die Masse der Menschen allerdings bevorzugte schnell Hotels und Ferienwohnungen.

Sommerferien im modernen Europa

Die Sommerferien ermöglichten den Urlaub und trugen zum Zusammenwachsen des vereinten Europa bei. Zunächst waren vor allem Bayern, Nordsee und Ostsee Ziele für die Deutschen, doch bald lockte die Ferne. Seit Goethe gehörte Italien zu den Sehnsuchtszielen vieler Deutscher. Das Wirtschaftswunder brachte den privaten Kleinwagen und dieser fuhr über die Alpen in den Süden. Ligurien und die adriatische Küste mit magischen Orten wie Rimini wurden von deutschen Strandurlaubern im Sommer erobert. Vorlieben und Sitten wie Pizza, Pasta und Badeerlebnisse brachten die Feriengäste zurück nach Hause in den Norden. Mit dem langsam beginnenden Verfall der Flugpreise entwickelte sich ein ganz neuer Massentourismus auf die Balearen, die Kanarischen Inseln, in die Türkei und nach Spanien. Gutverdienende und junge Menschen entdeckten die Fernreise auf alle Kontinente für sich. Die Verkehrsmittelstatistik bestätigt diesen Trend. Immer mehr Urlauber fliegen. Die Zahl der per Flugzeug angetretenen Urlaubsreisen hat sich von 2012 bis 2018 und 21 % erhöht, die Zahl der mit dem KfZ angetretenen Reisen im selben Zeitraum nur um 5 %.

Organisatorische, wirtschaftliche und gesetzliche Rahmenbedingungen der Ferien

Mit dem Massentourismus mussten die Ferien so geregelt werden, dass sich Reiseindustrie und Konsumenten rechtzeitig auf die Ferien einstellen konnten. Tarifverträge regeln die Dauer der Ferien für Berufstätige. Je nach Vertrag und Alter haben die Menschen heute etwa 27 bis 38 Urlaubstage im Jahr, zu denen noch die gesetzlichen Feiertage kommen. Je nach religiöser Zusammensetzung der Mehrheiten haben die Bundesländer zwischen 9 und 13 Feiertage. Die Liste wird von Bayern angeführt.

Schulferien als zentrales Steuerungsinstrument der Reiseindustrie

Der Termin der Schulferien entscheidet bei Familien mit Kindern über den Ferientermin. Um den Ansturm auf die Ferienkapazitäten zu begrenzen und die Fernstraßen von Staus zu entlasten, legt die Kultusministerkonferenz die Ferientermine für alle Bundesländer im Konsens fest. Dabei werden die Termine so entzerrt, dass nicht alle Bundesländer gleichzeitig auf die Autobahnen, in die Berge und an die Küsten starten. Seit Beginn des Jahrtausends hat sich die Zahl der Urlaubsreisen von etwa 60 Millionen im Jahr auf rund 70 Millionen jährlich um gut 10 % gesteigert.

Sommerferien führen die Urlaubsparade an

Wichtigster Motor für den Massenmarkt wurden die Sommerferien, die sich in Europa nach dem Weltkrieg durchsetzten. Die in Deutschland laut Regelung durch die Kultusminister mindestens sechswöchigen Sommerferien sind kommerziell die wichtigste Ferienzeit. Die meisten Menschen legen ihre langen Jahresferien in die Sommerferien. Die Schulferien der Bundesländer verteilen sich auf den Zeitraum von Mitte Juli bis Mitte September. Obwohl der Deutschlandtourismus noch immer hohe Attraktivität besitzt, verreisen viele Deutsche in den Sommerferien in das Ausland.

Osterferien, Pfingstferien und Herbstferien als Kurzreisegelegenheit

Die Pfingstferien sind kurz, haben aber als kirchliche Feiertage eine lange Tradition. Die Bundesländer Brandenburg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland kennen keine Pfingstferien. Sachsen, Schleswig-Holstein, Thüringen und Niedersachsen geben nur einen Tag Pfingstferien für den Brückentag zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten. Die Osterferien liegen in allen Bundesländern um Ostern herum. Die Herbstferien gibt es je nach Bundesland zwischen Anfang und Ende Oktober.

Wie sind die Ferientermine geregelt?

Die Kultusminister fixieren die Ferientermine für die Sommerferien für einen Zeitraum von mehreren Jahren. Dies wird in der Kultusministerkonferenz besprochen. Die Termine werden auf der Homepage der Kultusministerkonferenz veröffentlicht. Die übrigen Ferien werden, mit Ausnahme der Sommerferien, nicht durch die Kultusminister, sondern durch die Bundesländer autonom festgelegt. Sie sind auf den Seiten der Landeskultusminister zu finden.

Neuere Ferientrends

Die Nutzung der Ferien verändert sich seit dem Jahrtausendwechsel weiterhin mit rasanten Schritten und immer neuen Trends. Der wichtigste Motor ist dabei das Internet, das die Reisebüros immer stärker verdrängt. Gab es 2005 noch 12.639 Reisebüros, hat sich diese Zahl bis 2015 auf 9.880 vermindert und ist weiter am Sinken. Tatsache ist dennoch, dass die Urlaubsreisen weiterhin zunehmen. Dies geht auch auf den Trend zurück, dass viele Bürger mehrfach im Jahr verreisen. Dafür nutzen sie nicht nur die Sommerferien, sondern zusätzlich wird in Zwischenferien und an Wochenenden verreist. Das führt zu einer stetigen Zunahme der Städtereisen. Ganz neue Reiseformen wie die Kreuzschifffahrt, die zwar eine lange Tradition besitzt, aber erst seit etwa 20 Jahren Tausende von Ferienreisenden gleichzeitig an Bord transportiert, kommen hinzu. Weitere, für die Ferien relevante Megatrends sind die Nachhaltigkeit bis hin zu klimaneutralen Reise und besonders authentische Ferien, die wie etwa in der Toskana ein ursprüngliches Ferienerlebnis erlauben. Die Zahl der Ferientage wird in Zukunft eher leicht zunehmen, als geringer zu werden.

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