Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Arbeit / Land, Bundesagentur und Wirtschaft starten Pilot-Programm - erste Förderrunde mit 2000 Teilnehmern

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Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Arbeit / Land, Bundesagentur und Wirtschaft starten Pilot-Programm - erste Förderrunde mit 2000 Teilnehmern Reinhard Meyer - schleswig-holstein.de - Olaf Bathke
(BWP) Um einen Teil der derzeit rund 35.000 Flüchtlinge in Schleswig-Holstein rasch in Ausbildung oder Arbeit zu bringen, betreten Landesregierung und Bundesagentur für Arbeit (BA) Neuland: Im Juni startet ein bundesweit bislang einmaliges und gemeinsam finanziertes zweistufiges Pilotprojekt, das noch in diesem Jahr bis zu 2000 Frauen und Männer auf eine Einstiegsqualifizierung, eine Berufsausbildung oder eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vorbereiten soll.

Arbeitsminister Reinhard Meyer und Bildungsministerin Britta Ernst präsentierten die Grundzüge des Programms heute (18. Januar) in Kiel gemeinsam mit der Chefin der Regionaldirektion Nord der BA, Margit Haupt-Koopmann. Alle drei machten dabei deutlich, dass das Gemeinschaftsprojekt "BÜFAA.SH" (Begleiteter Übergang für Flüchtlinge in Arbeit und Ausbildung) nur ein Erfolgsmodell werde, wenn vor allem die Wirtschaft, aber auch Schulen und andere Bildungseinrichtungen und –träger sich an der Kraftanstrengung beteiligen. In der ersten Förderrunde stellen Bundesagentur und Land dafür in diesem Jahr zunächst sechs Millionen Euro bereit.

Nach den Worten von Wirtschafts- und Arbeitsminister Reinhard Meyer sei 2015 das Jahr des Ankommens gewesen, 2016 müsse das Jahr der Integration werden: "Zu den wichtigsten Hebeln für eine erfolgreiche Integration zählt die Eingliederung der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt." Der Minister erinnerte daran, dass die Flüchtlinge unter anderem im Hinblick auf den Fachkräftebedarf der kommenden Jahre eine große Chance für das Land böten. "Die Flüchtlinge können perspektivisch einen Teil der bis 2030 erwarteten Lücke von fast 100.000 Fachkräften in Schleswig-Holstein schließen."

Wie Meyer erläuterte, bestehe das neue Programm aus zwei Phasen:

In der maximal sechsmonatigen Phase 1 werde die individuelle Ausgangslage der Bewerberinnen und Bewerber geklärt. Dabei werden Potenziale und Kompetenzen erhoben, vorhandene im Ausland erworbene Abschlüsse erfragt und deren Anerkennungen geklärt. Parallel dazu werde es allgemeinen und berufsbezogenen Sprachunterricht sowie Unterricht in den Themenbereichen Arbeitswelt, Rechts- und Sozialsystem geben. Zudem soll vermittelt werden, wie das Ausbildungs-system organisiert ist und wie wichtig und grundlegend hierzulande eine duale Ausbildung für einen erfolgreichen Berufsweg sei. Außerdem gehe es um die Erhebung beruflicher Kenntnisse und Fertigkeiten durch praktische Tätigkeiten bzw. Orientierung durch Praxiserleben in geeigneten Werkstätten. Parallel werden in dieser Zeit zielgerichtet Ausbildungs- bzw. Arbeitsplätze akquiriert.

In Phase 2 sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einem mindestens auf neun Monate befristeten sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis, einer Einstiegsqualifizierung mit einer Dauer von sechs bis zwölf Monaten oder einer Ausbildung beschäftigt. Das Ziel von Phase 1 lautet, möglichst viele Teilnehmer, mindestens aber 60 Prozent, in Phase 2 zu überführen. Die Beschäftigungsverhältnisse sollen durch eine Nachbetreuung begleitet und gesichert werden. Hierfür steht sowohl den Arbeitgebern als auch den Beschäftigen für die Dauer von maximal sechs Monaten jeweils ein Coach zur Verfügung. Zusätzlich erhalten die Teilnehmenden wöchentlich weiteren Deutschunterricht im Umfang von fünf Stunden und werden dafür von ihrem Arbeitgeber freigestellt.

"Ziel ist es, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in der zweiten Phase in Zusammen-arbeit mit der Wirtschaft konkrete Arbeitsplatz- und Ausbildungsangebote zur Verfügung zu stellen, um sie in den Arbeitsmarkt zu integrieren", so Meyer. Land und BA rechnen damit, dass mindestens 60 Prozent der Teilnehmenden der Phase 1 die Phase 2 erreichen, also eine Arbeit, Ausbildung oder eine Einstiegsqualifizierung beginnen.

Bildungsministerin Britta Ernst kündigte in dem Zusammenhang außerdem an, dass an berufsbildenden Schulen eine DaZ (Deutsch als Zweitsprache)-Stufe eingeführt werde. Aktuell werde ein Lehrplan dafür entwickelt, der auf die besondere Situation der 16- bis 18-jährigen Flüchtlinge eingehe. "Denn die Jugendlichen brauchen in der Regel Zeit für Sprachunterricht, um ausreichende Deutschkenntnisse für eine duale Ausbildung zu erwerben", so Ernst.

Nach den Worten beider Minister soll das BÜFAA.SH-Programm flächendeckend in Schleswig-Holstein angeboten werden. Die dafür nötige Förderrichtlinie mit der Aufforderung an Träger, sich zu beteiligen, wird voraussichtlich noch im März veröffentlicht. Zielgruppe sind Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive – derzeit vor allem Menschen aus Eritrea, Irak, Iran und Syrien – sowie so genannte "Geduldete mit Arbeitsmarktzugang" und Asylberechtigte oder anerkannte Flüchtlinge, sofern sie die Schulpflicht erfüllt haben.

RD-Nord-Chefin Haupt-Koopmann betonte: "Wichtig ist mir: Das Thema ‚Menschen mit Migrationshintergrund und Arbeitsmarkt‘ ist für die Arbeitsagenturen und Jobcenter nicht neu. Wir beschäftigen uns seit vielen Jahren intensiv mit Arbeitsuchenden aus dieser Gruppe. Neu ist für uns die Quantität. Aus diesem Grund erhalten wir zusätzliches Personal und Mittel - knapp 15 Millionen Euro in diesem Jahr - um ein breites Maßnahmenangebot vorhalten zu können. Dazu gehören zahlreiche Angebote für Jugendliche und Erwachsene, die schwerpunktmäßig mit dem deutschen Ausbildungs- und Beschäftigungssystem vertraut machen, verschiedene Ausbildungs- und Berufsbilder vorstellen und ihre praktische Erprobung ermöglichen und gleichzeitig erste berufsbezogene Sprachkenntnisse vermitteln."

Haupt-Koopmann berichtete darüber hinaus, dass die bundesweit durch die Arbeitsagenturen angebotenen Deutsch-Einstiegskurse für Flüchtlinge mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit auch in Schleswig-Holstein auf großes Interesse gestoßen seien. "Dieses einmalige und zeitlich begrenzte Angebot wurde von 9.300 Flüchtlingen - aus Syrien, dem Irak, aus Eritrea und aus dem Iran - genutzt."

Quelle: schleswig-holstein.de

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