Mehr als 30 Flüchtlinge aus städtischen Unterkünften starten Handwerksausbildung

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(BWP) Initiative von Handwerkskammer und Senat bringt in nur acht Wochen junge Flüchtlinge von Grellkamp und Sportallee in Berufsausbildung.

Flüchtlinge so schnell wie möglich in Ausbildung und Arbeit zu bringen, gehört zu den wichtigsten Integrationsaufgaben. In einer gemeinsamen Initiative haben Handwerkskammer Hamburg und Senat zusammen mit Partnern dieses Ziel für mehr als 30 junge Menschen in nur acht Wochen erreicht. 30 junge Männer und Frauen aus den beiden Flüchtlingsunterkünften Grellkamp und Sportallee beginnen am  1. November eine Handwerksausbildung, bei vier weiteren entscheidet es sich in den nächsten Tagen. Die künftigen Auszubildenden stammen aus Syrien,  Afghanistan, Pakistan, Eritrea und Somalia. Sie lernen die Berufe  Maler und Lackierer, Gebäudereiniger, Bäcker oder Fleischer.

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz, Handwerkskammerpräsident Josef Katzer, und Rainer Schulz, Geschäftsführer des Hamburger Instituts für berufliche Bildung (HIBB) stellten die Initiative „Flüchtlinge in Handwerksausbildung“ im Rathaus vor. Die Erfahrungswerte daraus werden in künftige Integrationsmaßnahmen einfließen. Neben der Behörde für Schule und Berufsbildung mit dem HIBB sind Partner der Aktion: fördern & wohnen, die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI), die Haspa, die Innungen der vier Gewerke und deren Betriebe sowie das Versorgungswerk Hamburg des Handwerks.

Die Initiative „Flüchtlinge in Handwerksausbildung“ ist aus einer gemeinsamen Beratung des Ersten Bürgermeisters und des Handwerkskammerpräsidenten entstanden. Beide setzten sich nachdrücklich für die Sache ein. Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz: „„Bildung und Qualifikation sind der Schlüssel für die Integration der Flüchtlinge, die eine Bleibeperspektive in Deutschland haben. Mit Blick auf die Integration in den Arbeitsmarkt unternehmen wir in Hamburg vielfältige Anstrengungen. Grundlage für unsere Bemühungen sind die Erleichterungen im Zugang zum Arbeitsmarkt für Flüchtlinge, für die sich Hamburg auf Bundesebene mit Nachdruck eingesetzt hat. So ist es möglich, den Hauptintegrationsmechanismus in die deutsche Gesellschaft, den Arbeitsmarkt, sehr viel intensiver und strategischer zu nutzen. Wir sehen jeden Tag, welche Motivation und auch welche Zuversicht die Flüchtlinge mit nach Deutschland bringen. Wir müssen es ihnen ermöglichen, diese Kraft in ihrer neuen Heimat einzubringen.“

Handwerkskammerpräsident Josef Katzer: „Wenn wir gemeinsam die Herausforderung annehmen, wenn wir beherzt zupacken, dann können wir in erstaunlich kurzer Zeit erstaunlich gute Dinge erreichen. Dann können wir etwas erreichen, was alle für unmöglich hielten, nämlich in nur acht Wochen 30 Neuankömmlinge in eine berufliche duale Ausbildung zu bringen. So etwas ist möglich, wenn alle Beteiligten bereit sind, die eingefahrenen Wege zu verlassen, wenn Handwerk, Politik und Verwaltung zusammenarbeiten und die Lösung im Blick haben. Das Hamburger Handwerk packt also an! Für die Zukunft des Handwerks in unserer Stadt, aber vor allem in dem Bewusstsein, dass jeder einzelne von uns Verantwortung dafür trägt, wie unsere Gesellschaft aussieht und was aus ihr wird. Unsere gemeinsame Initiative soll Mut machen, aktiv zu werden und Chancen zu ergreifen, die direkt vor uns liegen.“ Der Präsident dankte dem Ersten Bürgermeister und allen Beteiligten sehr für ihren Einsatz.

Vier Innungen unterstützten die Aktion spontan. Betriebe der Gewerke Maler und Lackierer, Gebäudereiniger, Bäcker und Fleischer stellten Ausbildungsplätze zur Verfügung. Bei zwei Informationsveranstaltungen mit rund 30 Betrieben und den Innungen erfuhren rund 70 Flüchtlinge, was die vier Berufe ausmacht. Sie zeigten sich hoch motiviert. Das Ergebnis: 17 Flüchtlinge wollen Maler und Lackierer werden, 9 Gebäudereiniger, 6 Bäcker und  2 Fleischer, 30 Verträge davon sind schon unterschrieben, vier weitere stehen noch aus. Zuvor hatten Teams von fördern & wohnen die jungen Menschen in den beiden Flüchtlingsunterkünften Grellkamp und Sportallee  ermittelt. Die künftigen Azubis werden im Rahmen ihrer dualen Ausbildung an den jeweiligen Berufsschulen zusätzlich einen vertieften, integrierten Sprachunterricht erhalten. Dieser wird ab dem 2. November zunächst als dreimonatiger Intensivbasiskurs beginnen und  anschließend kontinuierlich in Betrieb und Berufsschule fortgeführt werden. Schon in der Ankommensphase werden erste Kontakte zu den Ausbildungsbetrieben hergestellt. Der betriebliche Integrationsbegleiter wird durch die BWVI finanziert.

HIBB-Geschäftsführer Rainer Schulz: „Das HIBB mit seinen Berufsschulen unterstützt als Partner in der dualen Ausbildung die Initiative. Seit einem Jahr erproben mehrere berufsbildende Schulen eine intensive, integrierte Sprachförderung in Betrieb und Berufsschule auch im Rahmen der neuen Ausbildungsvorbereitung für Migranten. Wir stellen fest, dass Flüchtlinge dadurch schneller und effizienter die deutsche Sprache lernen. Das und eine verlässliche Begleitung der Azubis sind wichtige Voraussetzungen für deren erfolgreiche Integration und für eine gelingende Berufsausbildung. Deswegen geht es jetzt darum, die Ausbildung im Betrieb und in der Berufsschule für Flüchtlinge in gemeinsamer Verantwortung anzupassen und weiter auszubauen.“

Zu den Partnern gehört auch das Versorgungswerk des Hamburger Handwerks, das beispielsweise Übersetzungen von Berufsbild-Informationen und Verträgen übernahm. Ebenso unterstützt die Hamburger Sparkasse die Auszubildenden. Haspa-Vorstandssprecher Dr. Harald Vogelsang: "Die Hamburger Sparkasse und ihre Mitarbeiter setzen sich auf vielfältige Weise für die Flüchtlingshilfe ein. Als Bank für alle Hamburger gehört es zu unserem Selbstverständnis, den Flüchtlingen, die nach Hamburg kommen, zu helfen und für sie schnell und unbürokratisch ein Konto zu eröffnen. In diesem Jahr hat die Haspa bereits über 3.000 Konten für Flüchtlinge eröffnet. Auch den neuen Handwerks-Auszubildenden wird die Haspa ein Girokonto einrichten. Das ist uns eine Herzensangelegenheit. Denn ein Konto ist eine wichtige Voraussetzung zur Teilnahme am Wirtschaftsleben."

Sebastian Schaffer, Senat, Tel. 040 42831-2242,
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Ute Kretschmann, Handwerkskammer Hamburg, Tel. 040 35905-227,
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